"Ich schreibe solange, bis mir nichts mehr einfällt. Oft stundenlang." Hortense Ullrich im Interview

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Im heutigen Sonntags-Interview habe ich die bekannte Freche-Mädchen-Autorin Hortense Ullrich zu Gast. Ich liebe die Serie ja, deswegen habe ich mich besonders gefreut, als mir für das Interview zugesagt wurde.

Viel Spaß!


Hortense Ullrich arbeitete als Journalistin, bevor sie Drehbücher schrieb und schließlich Romane. Acht Jahre lang hatte sie mit ihrer Familie in New York gelebt. Nun lebt sie mit ihrem Mann in Bremen. Ihre Töchter leben in Hamburg. -

HdbB: Sie sind bekannt als Autorin von Teenagerbüchern wie "Freche Mädchen". Zuvor haben sie allerdings als Drehbuchautorin gearbeitet. Wie sind sie vom Drehbuch zum Roman gekommen? 
Hortense Ullrich: Durch ein Drehbuch. Der Thienemann Verlag hatte mich angerufen und gefragt, ob ich Lust hätte, ein Mädchenbuch für sie zu schreiben. Eine ZDF Redakteurin hatte dem Verlag von einer Drehbuchautorin (das war ich) erzählt, die gerade eine Serie für sie schrieb, die besonders lustig und chaotisch war und die sich auch hervorragend als Buch eignen würde. Das war „Hexen küsst man nicht“. Aus der TV-Serie wurde dann doch nichts, aber das Buch wurde sofort ein Bestseller. Tja, so kann’s gehen. Ist aber eher ungewöhnlich.

HdbB: Mein Lieblingsbuch von Ihnen ist "How to be really bad". Welches Ihrer Werke gefällt Ihnen am Besten und welchen Charakter mögen Sie am meisten?  
Hortense Ullrich: "How to be really bad" ist auch mein Lieblingsbuch. Es hat mir super viel Spaß gemacht, die Irrungen und Wirrungen der Tochter des Teufels in der hiesigen Teenagerwelt zu beschreiben. (Und das Cover gefällt mir echt gut.) Vor allem mochte ich den Gedanken, Gut und Böse einander gegenüberzustellen und zu sehen, ob Lilith das Teuflische langsam verliert, wenn sie mit der super netten Greta zusammen ist. Und ob niemand gegen die Liebe gefeit ist – nicht einmal die Tochter des Teufels.


Und gerade – Trommelwirbel – wird „How to be really bad“ verfilmt. Im Frühjahr 2018 kommt der Film unter dem Titel „Meine teuflisch gute Freundin“ ins Kino! Yay!

Mein Lieblingscharakter ist Jojo aus meinem allerersten Buch „Hexen küsst man nicht“. Mit ihr war ich ja 24 Bände lang sehr eng verbunden.

HdbB: Nein, ehrlich? "How to be really bad" wird verfilmt?! Den Erscheinungstermin muss ich mir im Kalender anstreichen! 

HdbB: Haben Sie ein Vorbild für ihre Charaktere oder ist alles frei erfunden? 
Hortense Ullrich: Die Figuren meiner Bücher basieren nicht auf realen Personen. Aber natürlich fließen hier und da Charaktereigenschaften ein von Leuten, die ich kenne. Das lässt sich nicht vermeiden. (Oft übrigens die meiner beiden Töchter, hach!) Wenn ich über meine Protagonisten nachdenke, versuche ich meist sehr unterschiedliche Charaktere zu schaffen, damit sie Konflikte miteinander haben, und um zu zeigen, dass jeder anders ist und das ist auch okay.


HdbB: Verarbeiten Sie in den Büchern Autobiographisches mit, falls ja, sind Sie bereit, ein paar Details für meine Leser zu lüften?  
Hortense Ullrich: Ja, tatsächlich verwende ich vieles aus meinem täglichen Leben, das etwas chaotischer und unberechenbarer ist, als normalerweise vorgesehen. Und es gibt sogar ein sehr lustiges autobiographisches Buch, das ich zusammen mit meiner Tochter Allyssa geschrieben haben, in dem wir abwechselnd ihren Auszug von Zuhause und das damit verbundene Chaos beschreiben und meine (erfolglosen) Versuche, mich aus dem Leben meiner Tochter heraus zu halten und ihre (erfolgreichen) Versuche, das Leben alleine in einer Großstadt zu meistern.


Das Buch heißt „Schlaflos in Hamburg“. Empfehlenswert für Töchter mit Müttern und Mütter mit Töchtern.
 
HdbB: Planen Sie ihre Bücher immer von Anfang bis Ende oder verselbstständigt sich die Geschichte auch mal?   
Hortense Ullrich: Mit Deiner Frage hast Du es bereits sehr gut geschildert. Bevor ich anfange zu schreiben habe ich einen Plan. Aber dann machen meine Figuren nicht immer das, was ich vorgesehen habe. Diese Freiheit lasse ich ihnen und folge ihnen dann. Sehr spannende Sache!



HdbB: Sie haben das Schreiben zum Beruf gemacht. Haben Sie nebenbei einen Ausgleich, damit Sie nicht nur vor Ihren eigenen Wörtern sitzen?  
Hortense Ullrich: Hm. Mal überlegen. Nein, habe ich nicht. Brauche auch keinen Ausgleich, das Schreiben macht mir super viel Spaß.


HdbB: Es gibt ja reihenweise Jugendbücher, die auch verfilmt worden sind. Hat schon einmal jemand daran gedacht, einen Ihrer Romane zu verfilmen und sich die Filmrechte gesichert?  
Hortense Ullrich: Daran gedacht wurde schon öfter. Aber da ich in erster Linie Serien schreibe, tue ich mir schwer aus einer laufenden Serie ein Buch zur Verfilmung freizugeben. Denn ein Roman kann nur selten eins zu eins verfilmt werden. Im Drehbuch sind oft massive Änderungen nötig, die auch völlig in Ordnung sind, nur haben die dann Auswirkungen auf den weiteren Verlauf der Roman Serie. Bei Einzeltiteln – wie etwa „How to be really bad“ - oder wenn Serien abgeschlossen sind, ist das kein Problem. Dann sehr, sehr gerne.



HdbB: Von Ludwig van Beethoven erzählt man, dass er immer genau 60 Bohnen für seinen Morgenkaffee verwendete, dann konnte er bis zum Nachmittag durcharbeiten. Haben Sie eine solche Voraussetzung oder eine bestimmte Schreibroutine? 
Hortense Ullrich: Haha, ist ja witzig. 60 Kaffeebohnen! Also, Kaffee trinke ich auch bevor ich anfange zu schreiben, habe aber noch nicht die Bohnen gezählt. Routine? Voraussetzung zum Schreiben? Nein, habe ich nicht. Ich setze mich frühmorgens an meinen PC und schreibe. Und zwar solange, bis mir nichts mehr einfällt. Kann also sein, dass ich erst Stunden später wieder aufstehe und gar nicht gemerkt habe, wieviel Zeit vergangen ist. Wenn ich Termine habe, muss ich mir tatsächlich einen Wecker stellen. Nicht um aufzuwachen, sondern um mit dem Schreiben aufzuhören.

 
HdbB: Wie sieht es mit ihrer Zukunft aus? Können wir uns auf ein neues Buch freuen? 
Hortense Ullrich: Auf ein Buch zurzeit nicht. Aber wie wäre es mit Kinofilmen, bei denen ich als Drehbuchautor mitgearbeitet habe? Im Frühjahr 2018, wie schon gesagt, „Meine teuflisch gute Freundin“, im Dezember 2018 „Tabaluga“. Ein Drehbuch für einen weiteren Kinofilm habe ich gerade abgegeben und nun sitze ich an Drehbuch Nummer vier, ebenfalls Kino. Daher bleibt mir momentan keine Zeit für ein neues Buch. Ach halt, doch: Ich schreibe gerade das Buch zum Film für „Meine teuflisch gute Freundin“. Das kommt nächstes Frühjahr raus, zeitgleich mit dem Film. Irgendwie witzig, dass ich das Buch zum Film schreibe, der ja auf meinen Buch „How to be really bad“ basiert. Da sich die Geschichte jedoch ziemlich geändert hat, macht es Sinn.

 
HdbB: Und nun als letztes meine Standardfrage: Welche Schuhgröße haben Sie? 
Hortense Ullrich: 39. Ist das gut? Oder nicht? Habe ich den Test bestanden?

 
HdbB: Aber natürlich! 


Vielen lieben Dank für das Interview, Frau Ullrich, es hat mich wirklich gefreut!

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