"Quidditch hat mich dazu gebracht, Joggen zu gehen." Ehemalige Selfpublisherin Jennifer Jäger im Interview

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Meinen heutigen Interview-Gast habe ich nicht nur per E-Mail, sondern am letzten Sonntag persönlich kennengelernt. Ich war ja mit meiner Schwester und meiner Austauschschülerin in München und wir waren gemeinsam im Training, wo Jennifer Jäger auch war. Welches Training, das erfahrt ihr dann im Interview.

Viel Spaß!



Jennifer Jäger wurde 1992 in Neustadt a.d. Weinstraße geboren. Zunächst wohnte sie in Würzburg, bis sie für das Germanistikstudium nach München zog. Joanne K. Rowling hat durch "Harry Potter" ihre Leidenschaft zu guten Geschichten erweckt und zeigte ihr, dass Worte wirklich bewegen und mitteilen können.


HdbB: Du warst Selfpublisherin. Wie funktioniert denn dann solch eine Veröffentlichung, schließlich muss man sich keinen Verlag mehr für das Buch suchen, oder? Bei einem gedruckten Buch im Verlag gibt es auch einen Lektor, der auf Ungereimtheiten, Logikfehler und dergleichen achtet. Wie funktioniert das beim Selbständigen? Ist man als Selfpublisher ein kompletter Einzelkämpfer? 
Jennifer Jäger: Meine Erfahrung zeigt, dass erfolgreiche Selfpublisher alles andere als Einzelkämpfer sind. Sie sind gute Geschäftsleute und wissen, welche Aufgaben sie selbst übernehmen können und welche sie abgeben müssen, um ein optimales Ergebnis zu erzielen. Demnach agieren gute Selfpublisher wie Verlage: sie suchen sich jemanden für Cover, Lektorat und Marketing und fokussieren sich auf das Schreiben sowie das Produktmanagement.
 
HdbB: Seit 2014 bist du keine Selfpublisherin mehr, sondern hast du zwei Bücher beim E-Book-Verlag Impress veröffentlicht. Wie kam es denn dazu?  
Jennifer Jäger: E-Book-Label sind häufig auf der Suche nach erfolgreichen Selfpublishern, um sie zu übernehmen. Das hat für beide Seiten viele Vorteile: Verlage können testen, ob die Selfpublisher etwas für den Privatbereich wären und Selfpublisher können das Management abgeben. Mit meiner Saphirtränen-Reihe war ich damals im Selfpublishing sehr erfolgreich, sodass Impress auf mich zukam und mich fragte, ob ich nicht einen passenden Stoff in der Schublade hätte. Ich hatte eine Idee, aber noch kein Manuskript - also habe ich die Rohversion in einem Monat geschrieben.

 
HdbB: Verarbeitest du in den Büchern Autobiographisches mit, falls ja, bist du bereit, ein paar Details für meine Leser zu lüften? 
Jennifer Jäger: Ich würde gerne behaupten, dass meine Bücher nichts autobiographisches beinhalten, aber das wäre glaube ich gelogen. Auch wenn ich nichts absichtlich verarbeitet habe, bin ich der festen Überzeugung, dass die eigenen Lebenserfahrungen immer in Figuren und Geschichte einfließen.


HdbB: Planst du deine Bücher immer von Anfang bis Ende durch oder verselbstständigt sich die Geschichte auch mal? 
Jennifer Jäger: Jede meiner Geschichten ist von vorne bis hinten durchgeplant - aber sie verselbstständigen sich nach der ersten Seite und werden am Ende ganz anders als gedacht.

 
HdbB: Isabell Allende hat immer am 8. Januar mit der Arbeit an einem neuen Buch begonnen. Hast du auch eine solche Angewohnheit oder eine bestimmte Schreibroutine? 
Jennifer Jäger: Zum Schreiben brauche ich eine ganz bestimmte Tasse und Teesorte, sowie Schokolade. Das klingt vielleicht verrückt, aber ohne diesen Tee komme ich irgendwie nicht in die richtige Stimmung.



HdbB: Um welche Teesorte handelt es sich denn? 
Jennifer Jäger: Earl Grey! ;)


HdbB: Ich gebe zu, dass ich, unter anderem wegen meines nichtvorhandenen E-Readers (am Handy lesen ist nicht meins), noch keines deiner Bücher gelesen habe. Ich kenne dich z.B. von deinen YouTube-Videos, in welchen du sehr sympathisch, Zitat: "mehr oder weniger buchige Inhalte" präsentierst. Was hat dich dazu bewogen, einen YouTube-Kanal zu starten? 
Jennifer Jäger: Oh, Dankeschön! :) Ich habe fünf Jahre lang gebloggt und wollte etwas neues ausprobieren. Generell stelle ich mich gerne neuen Herausforderungen und das bewegte Bild erschien mir sehr interessant.


HdbB: Auf deinem Kanal hast du die Serie "Lebensverändernde Buchgeschichten" gestartet. Einmal hast du zum Beispiel Autoren gefragt, durch welches Buch sie beeinflusst werden. Wie lautet deine Buchgeschichte? 
Jennifer Jäger: Meine bekannteste Buchgeschichte ist wohl Harry Potter. Die Buchreihe hat mich sehr geprägt. Dank ihr habe ich viele Freunde gefunden, die ich ohne Harry Potter sicherlich niemals kennengelernt hätte.

 
HdbB: Du bist nicht nur Autorin oder YouTuberin, sondern auch Initiatorin der Schreibnacht. Es ist ein Online-Event, bei dem die Mitglieder eine Nacht gemeinsam schreiben. Jeder bei sich daheim an seinem eigenen Projekten. Von 20 Uhr bis 3 Uhr dauert diese monatliche Nacht dann. Wie kam dir die Idee dazu und wie läuft die Organisation dazu ab? 
Die Idee war recht spontan. Ich hatte einen freien Tag und wollte die Nacht durchschreiben. Allerdings wollte ich dabei nicht alleine sein und habe auf Facebook nachgefragt, ob jemand Lust hätte, mitzuschreiben. Es haben sich so viele Leute gemeldet, dass ich kurzerhand eine Facebook-Veranstaltung erstellt habe. So liefen die ersten Schreibnächte eine Zeit lang ab, bis ich auf die Idee kam, einen Special Guest hinzu zu holen. Der Special Guest beantwortet von 20 - 21 Uhr die Fragen der Teilnehmer.  Als die erste Fragestunde vorbei war, war ich irgendwie unzufrieden. Auf Facebook verschwinden die tollen Antworten im Datennirvana. Also gründete ich kurzerhand ein Forum… Und so nahmen die Dinge ihren Lauf.  Jeden Monat suche ich einen Special Guest, welcher das Datum festlegt.

 
HdbB: Auf YouTube hast du den ein oder anderen Vlog zu folgendem Thema veröffentlicht: Quidditch. Es gibt kaum jemanden, der den Zauberersport Quidditch aus "Harry Potter" nicht kennt. Wenige aber kennen den – wie ich selbst ein wenig erfahren durfte – ziemlich anstrengenden Sport (Muggel-)Quidditch. Seit einiger Zeit sprießen auch ganz viele neue Quidditch-Mannschaften hervor. Sag doch mal, was du da machst. 
Jennifer Jäger: Spaß haben! Quidditch ist ein toller Sport, der sogar mich unsportlichen Mensch dazu gebracht hat, regelmäßig Joggen zu gehen. Wir spielen tatsächlich Quidditch (und nein, wir fliegen dabei nicht). Aber der Sport ist so herausfordernd und anstrengend, dass das auch vollkommen okay ist. Außerdem sind die Spieler alle super nett. Es ist eine tolle Community, zu der ich gerne gehöre. 

 
HdbB: Und nun meine Standardfrage: Welche Schuhgröße hast du? 
Jennifer Jäger: 37. Manchmal… Meistens 36. Aber 37 klingt erwachsener.

 
Vielen lieben Dank für das Interview, Jennie. Es freut mich, dass ich dich auch ein wenig persönlich kennenlernen durfte und vielleicht sieht man sich ja mal wieder :). In diesem Sinne:


"Missetat begangen, bis zum nächsten Mal!" AHU!

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