Das Haus der bunten Bücher: Warum wir unsere Schulbildung schätzen und für unsere Träume kämpfen sollten! Ein Kommentar auf Grundlage von "Ich bin Malala"

Warum wir unsere Schulbildung schätzen und für unsere Träume kämpfen sollten! Ein Kommentar auf Grundlage von "Ich bin Malala"

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Bei "Ich bin Malala – Das Mädchen, das die Taliban erschießen wollten, weil es für das Recht auf Bildung kämpft" war mir von Anfang an klar: Ich kann und werde keine Rezension dazu schreiben, denn das Einzige, was ich bewerten kann, ist der Schreibstil. Stattdessen habe ich mir Gedanken gemacht und einen Kommentar zur Thematik auf Grundlage des Buches geschrieben.


Während ich diesen Kommentar vorbereitete, ging mir oft durch den Kopf: Wozu gehen wir eigentlich in die Schule? Was bringt es uns, gebildet zu sein und viel zu wissen? Wieso setzen manche Leute wie Malala Yousafzai ihr Leben aufs Spiel, nur, um in die Schule zu gehen und dieses Recht für andere zu erkämpfen?

Eine Antwort liegt eigentlich auf der Hand: Durch eine gute Schulbildung kann man einen Beruf ergreifen, der einem Spaß macht und genug Geld für ein zufriedenes Leben einbringt. Aber Geld, das kann doch nicht alles sein?! Von Geld kann man sich schließlich auch nicht alles kaufen. Dann habe ich mir überlegt, wodurch manche Kriege entstanden sind.

In Nordwest-Pakistan waren es die Taliban, die den Koran ausnutzen und daraus extrem strenge radikale Regeln ableiten, die vor allem auf Kosten der Frauen gehen. Mit ein wenig Geschick holten sie viele Menschen (und paradoxerweise auch Frauen) auf ihre Seite. Und darin liegt der Punkt: Viele ihrer Anhänger gingen nie in die Schule und glauben so einfach blind, was die Taliban ihnen über den Koran erzählt. Sie haben nicht die Möglichkeit, das Wissen und den Drang, Dinge kritisch zu hinterfragen, um die Darlegungen nachzuprüfen. Die Taliban gewinnt an Kämpfern, um die "Ungläubigen" auszulöschen und schließlich die Macht über das gesamte Land zu ergreifen. Dieser Weg fordert zum einen sehr viele Tote und zum anderen ist es nicht gerecht.

Wer sagt denn, dass Frauen nicht Ärztin, Lehrerin, Polizistin oder doch Modedesignerin werden dürfen? Wer sagt denn, dass man nicht tanzen und keine Musik hören darf? Wer sagt denn, dass man keine Filme schauen darf? Der Islam auf jeden Fall nicht. Im Gegenteil: „Es ist Pflicht für jeden muslimischen Mann und jede muslimische Frau, nach Wissen zu streben“ (Ibn Majah)1,"Wer eine Tochter gut aufzieht und ihr eine gute Bildung und Erziehung angedeihen lässt, erwirbt dadurch das Paradies.“ (Tirmidhi) oder "Ich glaube, daß eine Nation nur Fortschritte machen kann, wenn alle Frauen eine gute Bildung erhalten.“ (Al-Fazl, 3. Januar 1925, S. 7)2. Ebenso erzählt man, soll der Prophet Muhammad selber oft und gern Musik gehört haben3.

Es gibt Stellen im Koran, die scheinbar eindeutig gegen die Frauen oder gewaltverherrlichend sind. Aber ganz ehrlich: Im alten Testament in der Bibel beispielsweise fordert Gott von Abraham, seinen Sohn zu opfern. Ist das nicht ebenso grausam? Malala Yousafzai schrieb in ihrer Autobiographie und sagte Folgendes auch oft vor Publikum: "Der Islam ist eine Religion des Friedens, der Menschlichkeit und der Brüderlichkeit." Genauso wie man den Koran gewaltverherrlichend darstellt, kann man die Bibel als gewaltverherrlichend darstellen. Aber man darf sich nicht nur das herauspicken, was einem gerade passt und genau dies tun die Extremisten.

Um gegen die Terroristen vorzugehen, schicken die westlichen Länder Waffen und Soldaten. Doch das ist der falsche Weg! "Mit Waffen kann man Terroristen töten, mit Büchern den Terrorismus" und "Lasst uns zu unseren Büchern und Stiften greifen. Das sind unsere mächtigsten Waffen", das verkündet Malala. Man muss vorbeugend handeln und die Leute in die Schule schicken, damit sie, wie oben ausgeführt, den Islamisten nicht ins Netz gehen. Doch die Terroristen zerstören sogar die Schulen, was mich an ein Zitat von Heinrich Heine erinnert: "Dort, wo man Bücher verbrennt, verbrennt man am Ende auch Menschen."
Malala führt in ihrer Rede vor den Vereinten Nationen am 12. Juli 2013 aus: "Die Extremisten hatten und haben Angst vor Büchern und Stiften. Die Macht der Bildung erschreckt sie. Sie haben Angst vor Frauen. Sie fürchten sich vor der Macht der Bildung. Die Kraft weiblicher Stimmen macht ihnen Angst. Deshalb haben sie bei dem jüngsten Anschlag in Quetta 14 unschuldige Schülerinnen ermordet. Deshalb haben sie in Khyber Pakhtunkhwa Lehrerinnen und Frauen im Gesundheitsdienst ermordet, die sich gegen Kinderlähmung einsetzten. Deshalb sprengen sie Tag für Tag Schulen in die Luft. Weil sie Angst vor Veränderung hatten und haben, Angst vor Gleichberechtigung, die wir in unsere Gesellschaft hineinbringen werden.
Ich erinnere mich an einen Jungen in unserer Schule, der von einem Journalisten gefragt wurde: 'Weshalb sind die Taliban gegen Bildung?' Seine Antwort war ganz einfach. Er zeigte auf sein Buch und sagte: 'Ein Taliban weiß nicht, was in diesem Buch geschrieben steht.'" Sie wünscht sich Bildung für die Söhne und Töchter der Taliban und aller Terroristen und Extremisten und sie möchte dem Kampf für Bildung ihr Leben widmen.

Viel zu oft wache ich in der Früh auf und würde am liebsten im Bett liegen bleiben. Keine Lust auf 45 Minuten Geschichte, dann Geographie, Mathematik, eine Doppelstunde Deutsch Gedichtanalyse. Und doch bin ich froh, auf einem gut ausgestatteten Mädchengymnasium zu sein. Ich kann bequem mit dem Bus fahren, wir haben Laptop, Beamer und Dokumentenkamera, in der Pause kann ich auf eine saubere Toilette gehen und ich muss keine Angst haben, auf dem Heimweg von jemandem getötet zu werden, der gegen meine Bildung ist. Wenn ich in drei Jahren mein Abitur in der Tasche habe, stehen mir (je nach Note natürlich) die Wege offen. Werde ich Ärztin, Lehrerin, Polizistin oder studiere ich Schauspiel oder Musik? Oder ziehe ich nach Paris und werde Journalistin? Während ich diese Zeilen schreibe, sitze ich in meinem Zimmer in den Vogesen in Frankreich. Ich wohne ein halbes Jahr in einem fremden Land, um eine Sprache zu lernen, um mich weiterzubilden. Malala dagegen hat mit 15 Jahren das erste Mal, und das noch dazu unfreiwillig, die Grenzen Pakistans überquert und weiß nicht, ob sie wieder in ihre Heimat zurückkann.

Malala zeigt übrigens nicht nur, wie wichtig ihr Bildung und Frieden ist, sondern auch, wie wichtig es ist, alles zu tun, um seine Ziele zu verwirklichen. „Ich wollte mich für meine Rechte einsetzen. Ich wollte nicht nur zu Hause sitzen, gefangen in meinen vier Wänden und nur kochen und Kinder bekommen. Ich wollte nicht, dass mein Leben so wird.“ Und Malala kämpft für ihren Traum und so sollten wir auch für unsere kämpfen, egal, was es ist. Und wir sollten immer daran denken, wie wenig man braucht, um aktiv zu werden. Denn es reichen vier Sachen: "ein Kind, ein Lehrer, ein Buch und ein Stift können die Welt verändern." (Malala)







Quellen:
Buch: "Ich bin Malala - Das Mädchen, das die Taliban erschießen wollten, weil es für das Recht auf Bildung kämpft"; Malala Yousafzai mit Christina Lamb; Verlag: Knaur; ISBN 978-3-426-78827-1; Erschienen: 01. Oktober 2015;
1 http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/frauen-im-islam-die-religion-ist-nicht-das-problem-1625364-p3.html
2http://www.ahmadiyya.de/islam/die-frau-im-islam/die-bildung-und-das-streben-nach-wissen/
3https://islam-ist.de/duerfen-muslime-musik-hoeren/

Kommentare:

  1. Hallo Mila,
    ein sehr guter Beitrag zu einer wichtigen Frage.
    Über die Auslegung der Bibel oder des Koran könnte man sicherlich weiter diskutieren. Dabei hast du aber Recht, dass sich die Islamisten natürlich genau das heraussuchen, was ihrer Ideologie entspricht. Wobei das Problem noch nicht mal die Ideologie ist, wer daran glauben möchte - bitte. Das Problem ist immer dann, wenn ich anfange, mit Feuer und Schwert meine Meinung allen anderen überzustülpen.

    Du hörst das sicherlich oft, aber ich finde es erstaunlich, dass du erst 14 bist; du schreibst sehr reflektiert.

    Ich lass dir gern ein Follow da (gekommen bin ich über "Der Duft von Büchern und Kaffee")

    LG
    Daniela

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    1. Du sprichst einen guten Punkt an: Sie wollen um alles auf der Welt Recht haben und ihnen ist es scheinbar egal, wenn drei Kinder zusätzlich draufgehen, Hauptsache, sie sind die Gewinner.

      Vielen lieben Dank für das Kompliment und dein Follow!

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    2. Hallo Mila,
      ich hab deinen Beitrag bei meiner Blogwanderung verlinkt, weil ich ihn einfach lesenswert finde und teilen wollte.
      Liebe Grüße - Daniela

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    3. Das freut mich, vielen lieben Dank!

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  2. Liebe Mila,

    ich habe mich sehr über deinen Besuch bei mir gefreut, ebenso, dass du mir als Leserin erhalten bleibst. Nun stöbere ich bei dir und bin hier hängen geblieben.

    Dieser Beitrag hier ist dir überaus gut gelungen! Ich selbst habe das Buch gerade erst im Dezember gehört und war so begeistert über diese junge Frau Malala, die das Recht auf Lernen und Erlangen von Wissen über ihr Leben setzt. Das war und ist immer noch sehr mutig, gerade weil sie recht hat! Je mehr Aufklärung betrieben wird, je niedriger die Analphabetenrate in einem Land, desto besser Leben die Mensch auch unter- und miteinander. Das Verstehen und Wissen und Können ist ein großer Faktor im Kampf gegen religiöse Fundamentalisten. Das hast du in deinem Beitrag sehr gut ausgearbeitet und hervorgehoben.

    HIER ist meine Rezension zum Hörbuch, falls du vorbeikommen willst. Malalas Buch und Kampf für Mädchenbildung sollte viel, viel mehr Aufmerksamkeit bekommen! Wir sollten nicht müde werden, über dieses Buch und die Probleme in vielen Ländern zu sprechen.

    Ganz liebe Grüße und einen guten Start in die Woche,
    monerl

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    1. Vielen lieben Dank für deinen netten Kommentar! Schön, dass wir eine Meinung teilen :)

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