Das Haus der bunten Bücher: Jugendwort des Jahres 2018 und ich mittendrin!

Jugendwort des Jahres 2018 und ich mittendrin!

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Lesezeit: ca. 6 Minuten

Liebe Hausgäste,

bestimmt habt ihr es schon mitbekommen, das neue Jugendwort des Jahres 2018: "Ehrenmann/Ehrenfrau"! Ich hatte die Ehre ein Teil der 21-köpfigen Jury zu sein und das war ziemlich spannend. Es folgen heute also ein paar Insiderinfos. Bleibt dran!



Ich hatte mich in Frühjahr für die Jury beworben und war so glücklich, als irgendwann der Zusagebrief kam. Dann hieß es aber nochmal: Warten auf den 16. November. Gestern endlich: ich war in München in der Location angekommen und hatte sogar noch ein bisschen Zeit, um die anderen Jurymitglieder kennenzulernen wie zum Beispiel Maxi vom YouTube-Kanal MaxiMal. Und dann ging die Diskussion los.

Zehn Wörter waren unter den Top Ten, die beim Voting auf der Langenscheidt-Website herausgefiltert wurden:

Quelle: Langenscheidt

Es ging hitzig zu und zu jedem Wort wurde Kritik geübt, aber auch Lob ausgesprochen. Die Bewertungskriterien "Originalität" oder "Gebrauch" zum Beispiel sollten ja repräsentiert werden.

"Verbuggt" beispielsweise: Niemand aus der Jury verwendet es so, wie in der von Jugendlichen eingereichten Art und Weise ("Du bist so verbuggt, geh weg!"), sondern im technischen Bereich wie "Das Computerspiel ist ganz schön verbuggt." Aber immerhin wird es oft verwendet.

"Glucose-haltig" ist recht schnell rausgefallen, weil wer bitte sagt zu einer Person ernstgemeint: "Hey, du bist ganz schön glucose-haltig!" Nein, bitte nicht! Trotzdem waren wir uns einig, dass es irgendwie schon putzig ist.

Bei "Ehrenmann/Ehrenfrau" gingen die Meinungen auseinander. Manche kannten das Wort nicht unbedingt oder fanden den Begriff "Ehre" zu hoch gegriffen. Dennoch ist "Ehrenmann/Ehrenfrau" unter den jungen Jury-Mitgliedern sehr bekannt und wird auch oft von ihnen verwendet. Zudem kam noch das Problem, dass der Begriff "Ehrenmann" von irgendwem gesichert wurde. Der stärkste Kritikpunkt jedoch war das Genderproblem, da "Ehrenmann" und "Ehrenfrau" nur zwei Geschlechter enthält und sich Leute von anderen Geschlechtsgruppen womöglich nicht abgeholt fühlen. Die Änderung auf "Ehrenmensch" wurde aber einheitlich abgelehnt, da der Begriff so nicht existiert und wir kein Jugendwort erfinden, sondern küren.

Unter vielen Jugendlichen war "Lauch" ein Favorit und ich dachte mir eigentlich, dass es recht gute Chancen haben wird bei der Wahl. Doch das Wort ist ziemlich schnell rausgefallen, weil wir nicht unbedingt eine Beleidigung küren wollten, auch, wenn sie nur spaßeshalber verwendet wird. Außerdem kritisierten die erwachsenen Jury-Mitglieder, dass "Lauch" nicht innovativ sei, weil sie es in ihrer Jugend schon selbst verwendeten.

"Auf dein Nacken!" war lange auf gleicher Linie mit "Ehrenmann". Die Bedeutung ist toll, man kann es einfach so mal schnell sagen: "Der Döner geht auf mein Nacken!" Doch wurde kritisiert, dass der Ausdruck grammatikalisch unkorrekt ist, richtig wäre "Auf deinen Nacken!". Allerdings wurde diese Kritik sofort von uns anderen entkräftet: Das Jugendwort ist Umgangssprache und da ist die Grammatik zweitrangig.

"AF, as fuck" wurde hauptsächlich aussortiert, weil es nicht mehr aktuell ist und wurde auch von keinem Jury-Mitglied wirklich verteidigt. Genauso wie "sheeeesh" übrigens.

"Ich küss dein Auge" war auch weit vorne im Rennen. Der Ausdruck ist recht aktuell, vor allem in der Hip-Hop-Szene, außerdem doch irgendwie süß. Die Wendung kommt aus dem Arabischen (ein weiterer Pro-Punkt), aber sie ist einfach nur übersetzt und somit nicht originell genug.

"Snackosaurus" ist einheitlich als witzig gewertet worden, aber niemand aus der Jury hat den "Snackosaurus" je in freier Wildbahn gehört (badammttsss) und wir küren kein Wort, das wir wollen, dass es benutzt wird, sondern, dass schon bekannt ist.

"lindnern" war auch hoch in der Diskussion. Man könnte damit doch zeigen, dass die Jugend doch nicht so politikuninteressiert ist, wie immer gezeigt wird. Doch hat Herr Lindner nur einmal gelindnert und wird es aller Wahrscheinlichkeit nach nicht nochmal tun. In fünf Jahren wird man unter Umständen die Herkunft nicht mehr wissen und denkt sich einfach nur: "Hä?" Zudem kommt, dass es im Sprachgebrauch seltsam ist, da man nicht unbedingt sagt: "Ich lindnere jetzt!" Das klingt einfach nur seltsam.

Nach der Diskussionsrunde durfte jeder zwei Favoriten auf einen Zettel schreiben. Während die Stimmen ausgezählt wurden, hatten wir Pause, um was zu essen und mit den anderen aus der Jury zu quatschen. Die bestand aus Jugendlichen zwischen 11 und 18 Jahren, der "RTL II News"-Moderatorin, der Redaktionsleiterin der Bravo oder zum Beispiel Sprachwissenschaftlern. Natürlich haben wir ein Foto gemacht:

Quelle: Langenscheidt

Sechs Wörter sind übrig geblieben, wovon drei nur jeweils eine Stimme hatten. Es wurde nochmal diskutiert und für und wider abgewägt und anschließend gab es nochmal eine Abstimmung. "Ehrenmann/Ehrenfrau" und "Auf dein Nacken!" führten ein Kopf-an-Kopf-Rennen, doch, wie ihr jetzt wisst: "Ehrenmann/Ehrenfrau" hat gewonnen und ist Jugendwort des Jahres 2018!

Danach war die Pressekonferenz und auch die Jury-Mitglieder durften erst um Punkt 12 Uhr den Wahlsieger publizieren, wir mussten sogar eine Verschwiegenheitserklärung unterschreiben. Verschiedene Fernsehsender waren da, haben die Jury interviewt. Mich könnt ihr heute wahrscheinlich zwischen 17.45 Uhr und 18.45 Uhr auf TV Bayern Live sehen, das kommt in Bayern auf der Frequenz von RTL, für die anderen auf der Website von TV Bayern Live oder auch in der Mediathek. [EDIT: Hier der Link zum Beitrag: https://www.tvbayern.de/mediathek/video/jugendwort-des-jahres]

Wir haben den Vormittag ausklingen lassen, gequatscht, uns gefreut, Selfies gemacht: hier mit dem YouTube-Trio "Die Grischis", Livia und Maxi.

Quelle: Livia

Insgesamt war es eine super Erfahrung und es hat ganz viel Spaß gemacht. Vielen Dank an Langenscheidt, dass ich in der Jury dabei sein durfte!

Wie sieht's bei euch aus? Jugendwort 2018 yay oder nay? Was war euer Favorit?



4 Kommentare:

  1. Hallo Mila,

    na ja, diese Jugendwörter sind so eine Sache für sich.....grins....aber wenn es gefällt und passt..O.K......wobei ich egal zu wem auch immer nie Lauch....sagen würde..

    LG..Karin...

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  2. Ach wie schön, das ist ja mal interessant! Gerade mal die Begründungen der Jury zu hören, ist doch mal was. Ich muss sagen, dass das Jugendwort von diesem Jahr mir deutlich besser gefällt, als die der letzten. Ich höre ständig irgendwen "Ehrenmann" sagen, tatsächlich. Den Rest finde ich irgendwie Quatsch, hab ich auch noch nie gehört :D
    Liebst, Lara von Fairylightbooks :)

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  3. Liebe Karin,

    du hast Recht, mit den Jugendwörtern sind nie alle einverstanden und ich habe dieses Jahr selbst miterlebt, wie schwierig es ist, möglichst viele Leute "abzuholen".

    Alles Liebe,
    Mila <3

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  4. Liebe Lara,

    vielen Dank für das Lob! Mich wundert sowieso, dass viele meinen, sie hätten "Ehrenmann" noch nie gehört, weil ich in meiner Umgebung oder zumindest auf Instagram immer immer wieder "Ehrenmann" höre/lese.

    Alles Liebe,
    Mila <3

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